Im Dialog mit Hubertus Heil:

Zum Industriestandort Deutschland: "Was bringt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz?"

Im Rahmen des Berliner Dialogs am 13. März 2019 sprachen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Marcus A. Wassenberg, Finanzvorstand der Rolls-Royce Power Systems AG (RRPS), und Dr. Benjamin Parameswaran, Managing Partner bei DLA Piper UK LLP, über das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz und über qualifizierte Zuwanderung. Nach einer Begrüßung durch Senior Partner Olaf Arndt stiegen die Gesprächspartner direkt in die Thematik über die Herausforderungen einer modernen Arbeitspolitik ein. Den Dialog und die intensive Debatte mit den mehr als 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft moderierte Katharina Hamberger, Korrespondentin im Hauptstadtstudio des Deutschlandradios.

Deutschland braucht mehr qualifizierte Zuwanderung

Schlagzeilen über unbesetzte Ausbildungsstellen haben es in den vergangenen Jahren immer wieder in die Presse geschafft. Es gibt kaum noch Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die sich nicht für mehr qualifizierte Zuwanderung einsetzen – gleichzeitig gibt es nur wenige Themen, die gesellschaftlich so kontrovers diskutiert werden wie die Fachkräfteeinwanderung.

Aktuell liegen dem Deutschen Bundestag zwei Gesetzesentwürfe der Bundesregierung vor. Wassenberg machte deutlich, dass liberale Regelungen längst überfällig sind. "Wir brauchen Facharbeiter, die wir in Deutschland nicht mehr finden." Die Attraktivität des Standorts Deutschland muss dauerhaft gesichert sein. "Dazu brauchen wir mehr Tarifverträge, nicht weniger", so der Finanzvorstand. Rund 120 Stellen seien derzeit bei RRPS in der Bodenseeregion unbesetzt. Für global tätige Unternehmen wie RRPS sei es heute bereits Alltag und selbstverständlich, dass im Betrieb nicht nur Deutsch gesprochen werde: Die Beschäftigten stammen aus 55 Nationen.

"Talente, Technologie und Toleranz"

Gesetzliche Regelungen sind wichtig, aber sie reichen nicht aus, um Deutschland attraktiv für internationale Fachkräfte zu machen. "Für unseren Wohlstand brauchen wir drei Ts", so Wassenberg: "Talente, Technologie und Toleranz". Nur wenige Zuwanderer kämen als Einzelperson – die Attraktivität für Familien müsse am Bodensee ebenso mitgedacht werden wie in Berlin.

Parameswaran stellte insbesondere die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen in dieser Debatte heraus. Sie sollten sich nicht nur klar und deutlich für eine Willkommenskultur positionieren, sondern erklären, was ohne Zuwanderung mit Betrieben passieren kann. "Die erfolgreiche Anwerbung von Arbeitskräften sichert letztlich deutsche Arbeitsplätze", so Parameswaran.

Politik ist offen für weitere Vorschläge

Heil stellte die Neuerungen für die Zuwanderung heraus. Das Besondere bestehe darin, dass nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte angesprochen würden, sondern ausgebildetes Personal aus allen Berufen berücksichtigt werde. Sie dürfen nach Deutschland kommen, wenn sie einen festen Arbeitsplatz nachweisen können oder eine Anstellung suchen. Den Lebensunterhalt müssen sie in dieser Zeit selbst aufbringen. Die Bundesregierung hat dabei besonders die Länder außerhalb der Europäischen Union im Blick.

Auch die sogenannte Beschäftigungsduldung wird geregelt: Abgelehnten, aber geduldeten Asylbewerbern, die eine qualifizierte Ausbildung aufnehmen oder gut integriert sind und durch eine nachhaltige Beschäftigung ihren Lebensunterhalt selbst sichern, soll dadurch eine Bleibeperspektive eröffnet werden. Dass Flüchtlinge erst mühsam ausgebildet und dann abgeschoben werden, hält der Bundesarbeitsminister für falsch. Gleichzeitigt zeigte sich Heil bereit, mit Unternehmern noch einmal über Verbesserungsvorschläge zu sprechen.

Weitere Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie auf politik & kommunikation. 

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